„Plakate bringen mehr als tausend Verbote“

Ausstellung „Bunt statt blau“

Es sind bunte Bilder, fantasievolle Arbeiten von jungen Leuten aus ganz Deutschland, die zu einer anregenden und spannenden Ausstellung zusammengestellt wurden, Bilder, die warnen wollen, Bilder auch, die das Leben miteinander wiedergeben, Bilder der großen Aktion „Bunt statt blau“ der DAK-Gesundheit. „Lieber bunter Vogel als Schnapsdrossel“, „Pass auf deinen Kater auf“, „Blau ist nur als Farbe schön“ ist auf den Bildern zu lesen. Sie waren vom 10. bis zum 20. März im Foyer des Josefshauses an der Maria Ward Realschule in Neuhaus ausgestellt.

Seit 2010 gibt es diese kreative Aktion der DAK-Gesundheit gegen Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen. In dieser Zeit entstanden in ganz Deutschland mehr als 100 000 Bilder als eine kreative Auseinandersetzung mit dem immer wiederkehrenden Thema Alkohol bei Jugendlichen. „Der Aufklärungsbedarf ist groß“, stellte Hermann Amsl, Geschäftsstellenleiter der DAK-Gesundheit in Passau bei der Ausstellungseröffnung in Neuhaus fest, denn fast 15 Prozent der 12 - 17-jährigen Jugendlichen würden mindestens einmal in der Woche Alkohol trinken, 20 Prozent hätten bereits einmal einen Vollrausch erlebt, vielfach auch beeinflusst durch die Eltern. „Plakate bringen mehr als tausend Verbote“, betonte Hermann Amsl. Die DAK-Gesundheit setzt mit dieser bemerkenswerten Aktion gezielt auf Prävention, denn jeder zu behandelnde Fall von Alkoholmissbrauch würde etwa 2.000 Euro an Kosten verursachen.

Bürgermeister Josef Schifferer bescheinigte Schulleiterin Astrid Schmid und der Realschule die Vermittlung eines „positiven Menschenbildes“, zu der auch die Ausstellung „Bunt statt blau“ einen überzeugenden Beitrag leisten könne. „Seid Freunde, die aufeinander aufpassen, wenn Grenzen überschritten werden“, legte stellvertretender Landrat Raimund Kneidinger den Realschülern ans Herz, denn übermäßiger Alkohol kann auch große und bleibende „gesellschaftliche Schäden“ auslösen. In einer Zeit der Digitalisierung können gerade Bilder von alkoholisierten Jugendlichen schwerwiegende Folgen haben.

„Was ihr heute mitnehmt, müssen wir bei der Polizei später nicht bearbeiten“, sagte Stefan Schillinger, der Direktor der Polizeiinspektion Passau. Er sah den Zeitpunkt für die Ausstellungseröffnung ideal nach dem Fasching und vor der Maidult in Passau. Die Warnung vor Alkoholmissbrauch sei „nie zu früh“, so Schillinger. Er betonte auch, dass die Polizei täglich mit Alkohol und dessen Folgen zu tun habe, im Straßenverkehr, in den sozialen Medien, bei Straftaten auf der Dult, aber auch wenn jemand als alkoholisiertes Opfer einer Straftat bestohlen wird. Schillinger bat die Schülerinnen und Schüler um Eigenverantwortung nach dem Grundsatz: „Rausch ist nicht cool, Rausch ist blöd“.

Sylvia Seider-Rosenlehner, Referentin für Suchtprävention beim Gesundheitsamt Passau stellte zu „Bunt statt blau“ fest: „Blau ist auch eine Farbe“. Sie forderte die Jugendlichen auf, die Grenzen zu erkennen und einzuhalten, die etwa durch das Jugendschutzgesetz aufgezeigt würden, aber auch die Regeln der „Punktnüchternheit“ und Alkoholfreiheit zu beachten, im Straßenverkehr, bei einer Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten und bei Schule und Arbeit: „Stimmung braucht keinen Alkohol, Stimmung kann auch anders entstehen, durch Musik oder gute Gesellschaft.“  Welche Folgen Alkohol haben kann, durften die jüngeren Schüler mit Hilfe einer „Rauschbrille“ ausprobieren.


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