Leben im Umsiedlungslager

von Jan Beck, Dominik Benzer, Maria Eichinger, Antonia Himmelsdorfer

 

Neuhaus/Inn. „Dieses Schulgebäude hat schon viel erlebt“, berichtet die 82-jährige Katharina Adlmaninger. Ihre Mutter arbeitete als Köchin im Josefshaus, als es während des 2. Weltkrieges zum Umsiedlungslager wurde. Bereits im Jahr 1939 wurde das Josefshaus als Umsiedlungslager beschlagnahmt. Maria Steinmüller war nicht nur Köchin, sie ermöglichte den Bewohnern des Umsiedlungslagers immer wieder Dinge, die eigentlich die Köchin mit dem Lagerleiter und einem Offizier der SS verboten waren. Für diese Taten wäre sie, wenn man sie erwischt hätte, getötet worden. Sie ermöglichte z. B. Gottesdienste, Firmungen oder das Kochen in der Küche.

Die Räume waren mit provisorischen Verbretterungen abgeteilt. Dort verbrachte die ganze Familie, die zum Teil zu acht waren, ihre Freizeit. Versorgt wurde die Familie vom Haus. 1939 – 1944 wurde die Mutter von Katharina Adlmaninger als Köchin verpflichtet. Sie musste sich um das Frühstück, das Mittagessen und das Abendessen kümmern, dabei hatte sie immer Küchenhilfen. Ihre Mutter verbrachte den ganzen Tag in der Küche. Im Dritten Reich holte Adolf Hitler die Deutschen aus den anderen Ländern zurück. In den Umsiedlungslagern lebten 50 - 80 Leute, bis die Leute wieder in andere Lager kamen. „Diese Leute waren gut gekleidet und waren sehr anständig und religiös“, berichtete Katharina Adlmaninger. Sie bedauerten sehr, dass sie nicht in die Kirche durften. Die Köchin ermöglicht dennoch einen Gottesdienst. Die Leute mussten dabei in der Nacht im Dunkeln in die Kirche gebracht werden und wurden nach dem Gottesdienst wieder ins Haus gebracht. Sie nahmen aus ihren Heimatorten sogar ihr Silberbesteck mit um es zu verkaufen.

Es gab einige Aktionen der Köchin und des Pfarrers Strassmüller. Als die neuen Leute kamen, hatten die Kinder alle Läuse. Die Kinder mussten Holz sammeln, um in der nebenan gelegenen Wäscherei die großen Kessel mit warmen Wasser zu füllen. Doch als das ganze Waschen nichts brachte, ordnete der Doktor die Kahlscherung der Kinder an. Somit hatten alle Kinder kurz geschorene Haare. Die Kleidungen wurden alle verbrannt, weil sie die Läuse nicht loswurden.

Manche Aktionen waren auch nicht erlaubt, zum Beispiel die heimliche Kommunion einiger Kinder der Bewohner. Wenn die SS das herausgefunden hätte, wäre die Köchin und der Pfarrer in ein Konzentrationslager gekommen. Es gab auch heimlich Schweine im Lager. Diese wurden mit den vielen Abfälle der Küche gefüttert. Wenn es dann in der örtlichen Metzgerei zum Schlachten kam, dann schlachtete der Metzger gleich ein Schwein mit, damit die Leute wieder Fleisch und Fett zum Kochen und Essen hatten.

Die Leute hatten es nicht leicht. Sie waren Jugoslawen-Deutsche, Rumänen-Deutsche, Weißrussen etc. Sie wurden wieder aus dem Umsiedlungslager in ein anderes Lager gebracht. Einige Leute kamen nach Polen, dort wurden sie wieder angesiedelt. Doch sie wurden nach dem Krieg wieder aus Polen geworfen und kamen wieder nach Neuhaus ins Lager. Bis heute gibt es noch einige Leute, die früher im Umsiedlungslager gelebt haben und noch immer in Neuhaus leben.

Die Mutter von Katharina Adlmaninger wurde als Zeitzeugin für eine Zeitung befragt, diese Zeitung stammt vom 8. Oktober 1995. Dort werden von den waghalsigen Aktionen der Köchin und des Pfarrers erzählt. Ein Zitat bestätigte die Willensstärke der Köchin: „I hob mi net g‘fürcht. Na ja, in Gott‘s Nam‘, hob i g‘sagt ... a sechane Kraft hob' i in mir g‘habt.“

Sie ist 2008 verstorben.

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