Literarischer Blick in dunkle Kapitel der Geschichte

„Lesetage“ mit Erika Rosenberg und Dirk Reinhardt

„Lesezeit“ war angesagt an der Maria Ward Realschule, und das bedeutete Begegnung mit Autoren, die aus ihren Büchern lasen und zugleich einen hoch spannenden Einblick in die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs gaben. Für die Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klassen sollte das mehr sein als etwas anderer Unterricht. Sie sollten selbst wieder Freude am Lesen und Vorlesen spüren und entdecken.

Spannend wurde darum der Vortrag und die Lesung von Erika Rosenberg, die im Jahr 1990 Emilie Schindler, die Witwe von Oskar Schindler kennen gelernt hatte und die auf der Grundlage vieler Gesprächsaufzeichnungen das Leben des Ehepaars Schindler nachzeichnete, das vor allem durch den Film von Steven Spielberg „Schindlers Liste“ weltweit bekannt geworden war. Oskar Schindler, der 1974 starb, konnte in seiner Rüstungsfabrik in Brünnlitz (Tschechien) 1 200 Juden einen Arbeitsplatz verschaffen und sie so vor dem sicheren Tod in den Gaskammern des Vernichtungslagers Auschwitz retten. Die Schriftstellerin, Journalistin und Übersetzerin Erika Rosenberg, die 1951 als Tochter deutscher Juden, die in Buenos Aires geboren wurde, las aus ihren Büchern „Ich, Emilie Schindler“ und „Ich, Oskar Schindler“ und erzählte viel über ihre Begegnung mit dem Ehepaar Schindler, konnte auch manches aus dem Film ins rechte Licht rücken und vor allem auch den geschichtlichen Hintergrund sehr anschaulich und lebendig vermitteln.

Wie junge Menschen Widerstand im Nationalsozialismus geleistet haben, wie viel Mut und kühne Entschlossenheit notwendig war und in welche Gefahren sie dabei gerieten, das erzählte Dirk Reinhardt in seinem Jugendroman „Edelweißpiraten“. Der Historiker und vielfach erfolgreiche Jugendbuchautor will junge Menschen durch seine spannend geschriebenen Geschichten für die Literatur und für das Lesen begeistern, gleichzeitig aber auch Fragen anstoßen und junge Leute für die Probleme der Zeit und der Gesellschaft hellhörig machen.

In seinem Buch „Edelweißpiraten“ zeigt Reinhardt die Zeit des Nationalsozialismus aus der Sicht von einfachen Arbeiterjugendlichen, die sich vom Regime nicht länger vorschreiben lassen wollen, wie sie zu leben haben. Die Edelweißpiraten wagten die Widerstand und riskierten dabei ihr Leben. Für den Autor bleibt die Frage: Wer würde es heute wagen, für die Freiheit und für die Ideale sogar das Leben aufs Spiel zu setzen? Auch Reinhardt stellte seinen Roman in den zeitgeschichtlichen Zusammenhang und gab durch seine Lesung den Schülern wertvolle Diskussions- und Denkanstöße.

Hintersinnig, zum Nachdenken anregend und durchaus witzig war dagegen die Lesung von Wolfgang „Woife“ Berger, bekannt als „der Fälscher“ für die Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen. In seinem Buch „Gedichtln & Gedichte fia Bayern & Preissn“ spricht er Fragen an, die „normaldenkende Menschen“ beschäftigen. „Boarisches“ über das Fernsehen, den Urlaub und die jugendliche „Coolness“ hat Berger in Gedichtform gebracht, die auch bei jungen Leuten gut „ankam“.

Vorlesen war auch in den 5., 6. und 7. Jahrgangsstufen auf dem Stundenplan. Lehrer lasen jeweils eine Unterrichtsstunde lang aus Erich Kästners „Der 35. Mai“, „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende und „Der Herr der Diebe“ von Cornelia Funke.


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