Aus dem Hochwasser auf dem Weg in die Zukunft

An der Maria Ward Realschule Neuhaus
wurde das neue Schulhaus fertiggestellt

Das Hochwasser im Juni 2013 hatte die Maria Ward Realschule in Neuhaus schwer getroffen. Nicht nur die Gebäude des ehemaligen Klosters auf der Insel im Inn standen tief unter Wasser und in der Folge unter einer dicken Schlammschicht, auch das „Josefshaus“, das vor mehr als 150 Jahren errichtete Nebengebäude, das zunächst als Internat für die Schülerinnen und als Wohngebäude für die Schwestern der Congregatio Jesu diente, war überflutet.

Die Schäden wurden auf schnellstmöglichem Weg zu beseitigen versucht, um den Unterrichtsbetrieb für rund 650 Schüler wieder zu ermöglichen. Bald aber erkannten die Fachleute, dass das Josefshaus trotz vielfältiger Sanierungsmaßnahmen nicht mehr endgültig wiederhergestellt werden kann. Die Schäden waren zu groß.

In zahlreichen Gesprächen mit der Regierung von Niederbayern und den Verantwortlichen der Maria-Ward-Schulstiftung wurde festgestellt, dass nur ein Abriss des alten Hauses und ein Neubau für die Zukunft der Realschule sinnvoll sein kann.

Im April 2015 erfolgte der erste Spatenstich, nachdem zuvor ein entsprechendes Gelände gefunden werden musste – nahe an dem alten Schloss, nahe zum derzeitigen Standort des Josefshauses und auf jeden Fall außerhalb des hochwassergefährdeten Bereichs in der Nähe des Inn. Die Lösung war durchdacht und zukunftsweisend: Das neue Schulgebäude wird auf Säulen errichtet, die Unterrichtsräume mit ihrer aufwändigen Ausstattung liegen gewissermaßen im 1. und 2. Stock des Hauses, der Zugang erfolgt über eine Freitreppe, die zeichenhaft aus dem von Wasser gefährdeten Bereich nach oben führt.

Architekt Walter Schwetz aus Passau, der bereits in den Jahren 2011 - 2012 die Maria-Ward-Sporthalle in Neuhaus geplant hatte, wollte mit dem Neubau auch eine Verbindung zu den alten Klostergebäuden herstellen, eine offene Sichtachse über den Inn und eine neue Weite rund um das Schulgelände schaffen. Der Abriss des alten Josefshauses im Sommer 2017 hat das Ortsbild von Neuhaus am Innufer grundlegend verändert. Erstmals ist der Blick auf das ehemalige Schloss und Kloster frei geworden.

Das neue Schulhaus ist als Quadrat angelegt, die Räume ziehen sich um einen weiten Innenhof, der Blick wird an den Glasfassaden mit stilisierten Baum-Ornamenten nach oben gelenkt. Die neuen Unterrichtsräume wirken durch die großen Fensterfronten weit und licht. Der Blick aus den Räumen geht über die Uferlandschaft des Inn. Im neuen Schulhaus sind die Fachräume für Mathematik, Physik, Chemie, Werken, Hauswirtschaft und Ernährung und für Musik untergebracht. Die Lernküche, die durch das Hochwasser völlig zerstört worden war, wurde mit großzügiger Unterstützung des Malteser Hilfswerks bereits 2014 im alten Haus so eingerichtet, dass sie problemlos in den Neubau übertragen werden konnte.

Kräftige Orangetöne geben den Gängen Wärme und Freundlichkeit, aber auch hier tragen die nach innen liegenden Fenster zu einer einladenden Atmosphäre bei. Die großzügigen Freiflächen unter dem Schulgebäude und auf dem Platz des einstigen Josefshauses bieten Schülern weiträumige Möglichkeiten zum Aufenthalt in der Freizeit.

„Mit der Einrichtung dieses gelungenen Neubaus kommen wir in unserer Schulentwicklung ein großes Stück voran“, freut sich Schulleiterin Astrid Schmid. Sie betont: „Die Intensivierung des Fachraumprinzips, große Verbesserungen der Raum- und Medienausstattung im naturwissenschaftlichen Bereich, vor Hochwasser geschützte Musik- und Werkräume und eine bestens ausgestattete Schulküche – davon haben wir lange geträumt. Dass wir nun auch noch einen neuen Sportplatz erhalten haben und damit ein wunderschöner Freizeit- und Aufenthaltsbereich für unsere Schülerinnen und Schüler entstanden ist, macht mich mehr als glücklich.“

Die Ausstattung des 6,7 Millionen Euro teuren neuen Schulhauses wurde auch vom Verein „Sternstunden e. V.“ mit 1,5 Millionen Euro großzügig gefördert, der bereits unmittelbar nach dem Hochwasser seine Hilfe zugesichert hatte. Die größte Summe für den Neubau allerdings, rund 5,2 Millionen Euro, wird vom Freistaat Bayern aus den Mitteln des Hochwasserfonds übernommen. Die Malteser Hochwasserhilfe stellte 100.000 Euro für die Ausstattung des Baus zur Verfügung, die RTL Stiftung unterstützte die Baumaßnahme mit 250.000 Euro. „Aus tiefster Niedergeschlagenheit nach dem Hochwasser wird ein unbeschreibliches Wohlgefühl beim Anblick des neu errichteten Josefshauses“, stellt Dr. Heinz-Günther Kuhls, der Vorstandsvorsitzende der Maria Ward Schulstiftung zufrieden fest. -wü


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