Das Josefshaus als Hauswirtschaftsschule

von Ines Lupricht und Christine Lehner



Neuhaus/Inn. Es geht um Frau Anne Dichtl, die hier in Neuhaus 1954 in die Hauswirtschaftsschule ging. Im April wird sie 78 Jahre alt. „Das ist ein schönes Alter“, meint sie. Sie erinnert sich noch gut an ihre Zeit in Neuhaus. 1954 gab es ein schlimmes Hochwasser, die Schüler mussten kurz vor Abschluss der Schule mit einem ovalen, schwarzen Gummiboot gerettet und mit Bussen nach Passau gebracht werden. Von dort aus fuhr jeder zu sich selbst nach Hause. „Durch die Medien bekamen wir mitgeteilt, wann wir wieder in die Schule kommen konnten, um diese abzuschließen und die Zeugnisse zu bekommen“, erinnert sie sich. Bei diesem Ereignis war die junge Anne Dichtl gerade mal 14 Jahre alt. Die Schüler konnten sich damals die große Gefahr, welche von dem Hochwasser ausging nicht vorstellen und fanden es lustig.

Anstatt der dreijährigen Berufsschule machte sie ein Jahr lang die Hauswirtschaftsschule. Jeden Tag um sechs Uhr morgens hatten sie vor dem Unterricht Gottesdienst. Im anschließenden Unterricht lernte sie kochen, waschen und andere Tätigkeiten, die für den Haushalt wichtig waren. Weitere Unterrichtsfächer waren Rechnen, Schreiben, Geschichte und Singen.

Wie war der Unterricht damals? „Man musste viel lernen, aber ich hatte keine Probleme damit“, erzählt Dichtl. „Jedoch im Nähunterricht hatten wir eine sehr strenge Klosterschwester als Lehrerin.“ Der Großteil der Klosterschwestern war jedoch in Ordnung. Nur an Weihnachten und Ostern hatten die Schülerinnen Kontakt zur eigenen Familie. Einmal jedoch hatte sie Besuch von ihrem älteren Bruder Josef. Dabei zeigte sie ihm die Schule jedoch musste eine Klosterschwester mitgehen, welche sie auf Schritt und Tritt begleitete, wie Frau Dichtl es so schön sagte. Wenn sie einen Brief nach Hause schrieb wurde er erst von den Lehrern gelesen und dann abgeschickt. Auch Jungs waren damals nicht uninteressant, so haben sie teilweise von den Fenstern aus den Jungs zugesehen. Dabei wurden sie mehrmals erwischt, sodass eine Schwester eines Tages die Fenster mit Pappe zuklebte. Im Josefshaus waren nur Schlafräume, denn der Unterricht fand im Schloss statt. Im Schlafzimmer waren sie zu viert und hatten an manchen Tagen im Bett während der Schlafenszeit Romane gelesen und manchmal auch gelernt, dies war jedoch verboten. Nach dem Mittagessen hatten sie Freizeit und gingen dabei oft lange Strecken spazieren, natürlich nicht ohne Klosterschwester. Sie hatten eine tolle Klassengemeinschaft, sahen sich jedoch nach dem Abschluss nicht mehr, was sehr zum Bedauern von Frau Dichtl war.

Auf die Frage wie sie es findet, dass das Josefshaus abgerissen wird, entgegnete sie, dass es schade sei, weil es eine gute Erinnerung an ihre Schulzeit war. Zu dieser Zeit gab es in dieser Schule auch keine Schläge mehr, denn ein strenger Blick reichte meist aus. Strafen, wie zum Beispiel die Hausordnung abschreiben, gab es nicht. Früher hatten die Schüler mehr Respekt vor den Lehrern als heute. Sie bereute die Schulzeit in Neuhaus nicht und hat in dieser Zeit viel gelernt, meinte sie am Ende des Interviews. Obwohl Frau Dichtl nicht bei bester Gesundheit war, war sie trotzdem bereit, uns dieses Interview zu geben.